Austausch zum Pfarreientwicklungsprozess

Der Pfarreientwicklungsprozess - kurz PEP. Ereilt uns alle, doesn’t spark Joy. Müssen wir alle durch, dann lasst uns auch gemeinsam dadurch.
Dafür hat der Sachausschuss Kirchenpolitik ein digitales Treffen geplant um drüber zu quatschen: Wie läuft es? Oder auch nicht?
Wo sind Herausforderungen?
Was braucht ihr?
Und natürlich auch mit Raum zum Austausch und eure Fragen.
Andreas Scholten (selbst jahrelang Jugendarbeit gemacht und mittlerweile für die PEP Prozesse im Bistum Essen zuständig) ist als Experte dabei für offene Fragen und Tipps.


Zugang:
https://t1p.de/PEP
Meeting-ID: 642 7713 7668
Kenncode: 961342


Selbstbewusst katholisch!?

Wie kann ich heute noch zu meinem Glauben stehen?

Drei Expert*innen und ein offener Stuhl. Starke Statements beim kirchenpolitischen Diskussionsabend der KjG im Bistum Essen.

Klaus Pfeffer, Dorothé Möllenberg, Rebekka Biesenbach, Thomas Schüller (Bistum Essen | Alexandra Roth - fotoagentur-roth)
Klaus Pfeffer, Dorothé Möllenberg, Rebekka Biesenbach, Thomas Schüller (Bistum Essen | Alexandra Roth - fotoagentur-roth)

Der Diözesanverband Essen der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) hatte am Donnerstagabend zum kirchenpolitischen Diskussionsabend eingeladen. Unter dem Titel „Selbstbewusst katholisch!? Wie kann ich heute noch zu meinem Glauben stehen?“ diskutierten Jugendliche und junge Erwachsene im Gelsenkirchener Philipp-Neri-Zentrum mit Expert*innen aus Kirche und Gesellschaft.

 

Begrüßt wurden die rund 50 Anwesenden von Rebekka Biesenbach, der Geistlichen Bundesleiterin der KjG. Auf dem Podium nahmen Msgr. Klaus Pfeffer (Generalvikar des Bistums Essen), Dorothé Möllenberg (Vorsitzende des Diözesanrats Essen) und Prof. Dr. Thomas Schüller (Kirchenrechtler an der Universität Münster) Platz. Der fünfte Stuhl auf dem Podium blieb nur für kurze Zeit unbesetzt. Dort konnten abwechselnd Teilnehmerinnen und Teilnehmer Platz nehmen, Fragen stellen und mitdiskutieren. Auch von den grünen und roten Stimmungskarten, die zuvor verteilt worden waren, machten die Teilnehmer*innen rege Gebrauch, um ihr Zustimmung oder Ablehnung deutlich zu machen.

 

Die erste Frage an die Podiumsgäste hatte es schon in sich: „Wann waren Sie zuletzt selbstbewusst katholisch?“ fragte Rebekka Biesenbach. Die Gäste mussten einen Moment überlegen, Klaus Pfeffer brach das Schweigen: „An Weihnachten!“ Die Kirchen seien voll und nach wie vor seien die Weihnachtsgottesdienste für die Menschen von großer Bedeutung.

 

Von da an wurde der offene Stuhl von Besucher*innen besetzt. Bei den Fragen wurde schnell klar, ob gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, der Missbrauchsskandal oder der Zölibat, die katholische Kirche irritiert Jugendliche und junge Erwachsene zunehmend. 

Dafür hatte Thomas Schüller Verständnis, der eine große „Kluft zwischen, dem was die Jugend heute erlebt und dem was die Kirche lehrt“ sah. Und Pfeffer ergänzte, die Sexualmoral der Kirche sei immer auch Disziplinierungsinstrument gewesen, es ginge immer auch um Macht.

 

Bei all den Problemen innerhalb der katholischen Kirchen wollte jedoch keiner der Podiumsgäste den Kopf einziehen. Für Dorothé Möllenberg war klar: „Das große Ganze stimmt!“ Das sahen auch die anderen so. Für alle drei ist Kirche auch Heimat, die man auch in schweren Zeiten nicht im Stich lässt, sondern versucht von innen heraus zu erneuern.

 

Streit innerhalb der Kirche hätte es immer gegeben, so Thomas Schüller mit Verweis auf die Paulusbriefe. Die Frage sei wie geschwisterlich wir miteinander umgingen. Angesprochen auf die Frage nach dem Ausschluss Wiederverheirateter von den Sakramenten empfahl Schüller, sich selbst zu prüfen. Die Fixierung der Kirche auf die Herzen und Betten der Menschen sei schrecklich. Auch Klaus Pfeffer will für das Ruhrbistum Orte schaffen an denen diskutiert werden kann und keiner Angst haben muss seine Meinung zu sagen.

 

Thomas Schüller richtete einen flammenden Appell an die Jugendverbände: „Schaffen Sie sich Orte der freien Rede, gehen Sie neue Wege! Sie haben die Freiheit! Nutzen sie die!“ Das sah auch Stefan Murrenhoff, Diözesanleiter und Organisator der Veranstaltung, so: „Es macht mir große Freude zu sehen, wie junge Menschen Kirche mitgestalten wollen. Wir haben viel zu tun, aber es ist so wichtig, dass wir miteinander reden. Nur so ist Veränderung möglich.“

 

Fotos: Bistum Essen | Alexandra Roth - fotoagentur-roth